In Neapel weihnachtet es das ganze Jahr…

…und wo?

In der Via S. Gregorio Armeno, Mitten in den engen Gassen von Neapel, zwischen der Piazza del Gesù und der Via dei Tribunali, unweit von Spaccanapoli, befindet sich die Straße voller Kunsthandwerk rund um das Krippengeschäft.

Egal welche Temperaturen in dieser süditalienischen Metropole herrschen in diesen Gassen hat sich Kunst, Handwerk und Christentum vereint, um die Geburt Jesu in einem Krippenspiel festzuhalten. Es wird 365 Tage, gehämmert, geformt, geschnitzt und gehandelt. Man betont, dass hier nicht einfach verkauft wird! Um diese Kunstwerke aus Ton und Kork muss gefeilscht und diskutiert werden! Damit man sich während des Kaufes klar wird, welches heilige Unikat man erstanden hat. Um den Kauf zu unterstreichen wird an der Café Bar nebenan ein Kaffee bestellt und durch einen Barista direkt geliefert. Solch eine Krippe behält man ein Leben lang und wird auch weitervererbt.

Eine Künstlerin hat mir sogar verraten, dass sie oftmals Gesichter aus dem täglichen Leben als Krippenfiguren in Ton formt. Also einheimische Gesichter, was ich sehr interessant fand. Auch erzählte sie mir, dass nicht nur Menschen aus der ganzen Welt bei ihr einkaufen, sondern auch von Übersee ehemalige italienische Migranten mit ihren Krippen vorbeikommen, um das geliebte Erbstück restaurieren zu lassen. Außerdem kann man auch heutzutage die Krippen im Netz ersteigern und es wird in die ganze Welt geliefert, erzählte sie mir voller Stolz. Sie fügte hinzu, dass alle in dieser Straße ihre Ware im Netz verkaufen. Wir kennen uns auch untereinander und sind sozusagen eine Familie und haben ein Auge auf die Repliken aus Asien im Netz. Klar ich hatte sowieso das Gefühl das Jesus und die Heilige Familie nicht in Betlehem, sondern aus Neapel stammte. Die Krippen sind so detailgetreu und liebevoll dargestellt, dass man das Gefühl bekommt, Jesus sei in dieser Straße geboren worden. Da möchte man natürlich nur das Original der Krippe erwerben.

Ich erzählte ihr, dass meine Großeltern auch so eine Krippe besaßen. Jedoch war diese unter einer Glasglocke, was ihrer Meinung nach, ein sehr kostbares Exemplar gewesen sein muss. Zur Weihnachtszeit wurde die Krippe immer auf dem Kaminsims gestellt. Dabei feuerte mein Großvater den Kamin an und röstete die Maroni auf dem Rost. Dazu gab es Glühwein und Kinderpunsch. Die Wohnung füllte sich mit weihnachtlichen Gewürzen. Die Künstlerin grinste und sah mir tief in die Augen und meinte dabei…solche Erinnerungen sind genau so wertvoll, wie der Besitz einer Krippe. 

Da musste ich ihr einfach zustimmen!


34 Gedanken zu “In Neapel weihnachtet es das ganze Jahr…

  1. Diese Gasse muss faszinierend sein, ich hoffe dort eines Tages mal durchspazieren zu können. Wir haben kürzlich in einem Fernsehbeitrag gesehen, dass Personen des öffentlichen Lebens ihre eigenen Krippenfiguren haben. So in der Art Madame Tussauds. Schon ein bisschen bizarr. Da gebe ich den klassischen Figuren klar den Vorzug. 😉

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    1. Liebe Monika-Maria, bei diesem Beitrag wurde ich von der Sehnsucht getrieben. Diese Gasse bin ich 2018 zuletzt gelaufen und die vielen Krippen machen diesen Weg besonders. Es freut mich sehr das dir mein Beitrag gefallen hat. Liebe Grüße Maria

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  2. Liebe Maria wundervolle Erinnerungen . Du hast das Gefühl vermittelt man geht mit dir mit 😊und sehr interessant , das mit Neapel und den Krippen hab ich noch garnicht gehört . Super.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Tag .
    Liebe Grüße Mona 😊❤️🍀

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    1. Liebe Mona, genau das ist es, was das Bloggen so besonders macht. Jeder kann in seinem Beitrag über etwas interessantes schreiben. Wer weiß, wo uns diese Schreibszene noch hinführt. Lass dich überraschen! Ich habe noch einige Reiseerinnerungen in meinem Kopf.

      Liebe Grüße Maria

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  3. Liebe Maria, „vedere Napoli e puoi morire“, dieser Spruch wird durch Deinen wunderbaren Beitrag noch verständlicher. Ich war zwar in Neapel und habe ein wenig von diesem unverwechselbaren Lebensgefühl und der Mentalität der Neapolitaner mitbekommen, da ein ein befreundeter Italiener meine Schwester und mich begleiet hat. Aber er war kein Napolitaner. Deshalb möchte ich liebendgerne die Gassen Neapels und ganz besonders die Straße mit dem Kunsthandwerk und der Krippenkunst kennenlernen mit allem, was dazu gehört. Liebe Grüße Marie

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    1. Liebe Marie, ich danke dir für deine Rückmeldung. Liebend gerne würde ich mit dir durch diese Gassen schlendern. Ich bin davon überzeugt, das dir die Krippenstrasse sehr gut gefallen wird. Durch deinen Blog berichtest du auch immer wieder von Kunsthandwerkern aus den Ländern, welche du bereist hast. Kunsthandwerk ist eine hohe Kunst und hat Tradition und ist eng verbunden mit den Gewohnheiten des Ortes. Hoffen wir das diese noch lange erhalten bleibt. Liebe Grüße Maria

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    1. Liebe Heike, ich dachte ich schreibe in dieser Zeit Reiseberichte über meine Heimat. Reisen können wir derzeit nicht. Durch Marie910, Senioren um die Welt wurde ich durch das Kommentieren zu diesem Beitrag inspiriert. Ich danke dir für das Lesen. Liebe Grüße Maria

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      1. Inspiration durch andere ist es, das unsere Blogs aufbaut, die Kommunikation untereinander und das Erzählen – 🙂
        Wie immer ein lesenswerter Beitrag deinerseits – und gut geschrieben.

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      2. Liebe Rhiannon, du und alle anderen im Blog inspirieren mich zum Weiterschreiben. Die Zeit ist so unwirklich, dass ich nun merke das nur unsere Erinnerungen einen immensen Wert haben. So kann ich jetzt aus meiner Schatzkiste heraus erzählen…Viele Liebe Grüße aus einer nächtlichen Schneelandschaft, Maria.

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  4. Liebe Maria,

    deine unbändige Sehnsucht nach dem Land ist zwischen den Zeilen sehr gut herauszuspüren.
    Ich wünsche dir von Herzen, dass du bald wieder hin kannst!

    Eine Umarmung von Herzen 💞
    Marion

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    1. Danke dir Marion, für das Lesen meines Beitrags. Es stimmt! Ich sehne mich nach meiner Heimat und ich habe das Gefühl das Neapel im Moment unerreichbar ist. Ich bin aber zuversichtlich, das wir bald wieder reisen können, wenn wir die Vorschriften der Pandemie einhalten.

      Verschneite Grüße aus dem Schwarzwald, Maria

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      1. Liebe Maria,

        in dem Zusammenhang würde mich interessieren – aber das sind sehr persönliche Angelegenheiten, über die du hier vielleicht nicht öffentlich sprechen möchtest, dann habe ich auf jeden Fall Verständnis! – an was du glaubst oder glauben kannst.

        Insofern als ich denke, wir alle sind über unser Herz verbunden mit einer Heimat, die über unsere irdische Herkunft hinaus geht. Und diese Anbindung für sich zu erwecken und spüren zu können ermöglicht das Finden von Frieden, wo immer man sich gerade aufhält, so zumindest das, was ich glaube und erfahre.

        Ich sehne mich auch manchmal nach meinen Kindern und München, aber ich bin inzwischen in mir daheim und schaue sonst, dass ich meine Kinder besuchen kann, soweit es möglich und sinnvoll ist.

        Heute liegt wunderbar weißer Schnee auf allem, die Geräusche sind gedämpft, es hat etwas sehr Friedliches. Und ich habe heute frei, ohne jegliche Termine und Verpflichtungen und genieße es.

        Herzliche Grüße in den Schwarzwald
        Marion

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      2. Liebe Marion, sowohl Deutschland wie auch Italien, beide Länder gehören zu mir und sind ganz klar meine Heimat. Das ist für mich auch kein Problem darüber zu schreiben. Ganz im Gegenteil davon lebt ein Teil meines Blogs, gut das du mich danach gefragt hast. Ich bin davon überzeugt, dass wenn ich längere Zeit in Italien wohnen würde, ich die gleiche Sehnsucht nach Deutschland bekäme. In meinem Herzen habe ich für mich die Nordseeküste und Flensburg und dessen Umgebung als meine Wahlheimat gefunden. Wie du weißt liebe ich das Meer und im Norden ist es für mich am schönsten. Aber am allerliebsten bin ich mit meiner Familie zusammen und das ist mein wahres Zuhause, welches ich in meinem Herzen trage. Daher gebe ich dir Recht, die Heimat trägt man in sich. Liebe Grüße aus dem wunderschönen verschneiten Schwarzwald.

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      3. Ach das klingt schön, liebe Maria.
        In deinem Herzen hat so einiges Platz, vor allem das Meer und deine Familie.

        Ich wünsche dir von Herzen, beide so oft als möglich genießen zu können.
        In Flensburg war ich noch nie, aber Nord- und Ostsee haben mich auf verschiedenen Reisen schon sehr berührt. Ich liebe es auch, das Meer.

        Auf die Heimat im Herzen 💫♥️

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