Was wäre Neapel ohne die Pizza …

…natürlich immer noch Neapel aber die Pizza gehört eben dazu.

Es gibt mehr als 1000 Möglichkeiten in Neapel eine Pizza zu essen und alle sind auf ihre Art gut. 

Die einfachste und schnellste Art ist, sich an einem Pizzastand eine To-Go Pizza mitzunehmen. Das hat wahrhaftig Tradition in dieser Stadt. Jeder Stand hat sein eigenes Geheimrezept. Außerdem gibt es viel in dieser Stadt zu sehen, sodass es eine gute Idee ist, gewappnet mit ein Stück Pizza in der Hand, die Stadt zu erkunden. 

Aber es gibt auch Pizzalokale in Neapel, welche ich bei jedem meiner Besuche eines dieser Lokale aufsuche.

So wie in der Via dei Tribunali, beherrscht die Großfamilie Sorbillo das Geschäft mit der Pizza – hier bevorzuge ich die Hausnummer 32. Die Familienmitglieder sind sich untereinander nicht immer einig. Der Machtkampf um die beste Teigrezeptur und die richtige Zusammenstellung für das Brennholz, damit die Pizza das richtige Aroma bekommt treibt so manches Mitglied der Familie zur Weißglut. Da hilft es auch nicht ein Lokal in der Via dei Tribunali (Weg der Gerichte) zu betreiben, denn kein Gericht der Welt konnte den jahrzehntelang andauernden Familienstreit schlichten. Ich denke mir, solange sie um das beste Rezept streiten, ist die exzellente Qualität der Pizza garantiert.

Verlässt man dieses Lokal, steht man Mitten im neapolitanischen Chaos zwischen Trödel, kleinen Geschäften und hupenden Vespas, die hier überall herumfahren und zum Straßenbild ganz einfach dazugehören. Via dei Tribunali, welche zum Weltkulturerbe ernannt wurde und sich von Port’Alba bis Castel Capuano erstreckt, gehört zu den ältesten Hauptstraßen Neapels. Von hier aus ist der Dom und der Patron von Neapel San Gennaro leicht zu erreichen. Ebenso das Konservatorium von San Pietro a Majella, Forcella ein Viertel, welches mit großer Vorsicht besucht werden sollte und zu einer meiner bevorzugten Vierteln gehört. In Forcella verstummen die Stimmen und auf seiner Brieftasche sollte man hier immer die Hand draufhaben. Man begegnet kaum einem Menschen und wenn, dann sind diese darauf bedacht mit schnellem Schritt wieder aus diesem Viertel herauszukommen. Außerdem sind an den Hausklingeln keine Namen zu sehen. Wer hier wohnt, möchte anonym bleiben und man hat das zu respektieren. 

Die Piazza Miraglia sowie die Via San Gregorio Armeno und die Piazza San Gaetano sind eine Besichtigung wert. Der Eingang für die Napoli Sotteranea befindet sich auch hier in der Nähe und in diesem Untergrund taucht man tief in das Herz Neapels ein, welches im 2. Weltkrieg teilweise Schutz vor dem Bombenhagel bot.

Meistens lege ich bei so einer Exkursion ein Pizzatag ein und laufe die Spaccanapoli runter, in Richtung Da Michele. Dies ist die Pizzeria, bei welcher ich sagen muss, hier werde ich noch als Einheimische begrüßt, mit Handschlag und als Signora. Ich bekomme dann einen Zettel mit einer handgeschriebenen Nummer in die Hand gedrückt und sobald die Nummer vom Oberkellner aufgerufen wird, kann man die Pizzeria betreten. Meistens sitze ich am Tisch, bei welchem der Film „Eat, Pray, Love“ mit Julia Roberts gedreht wurde und mir grinsend der Kellner zuflüstert…hier saß auch schon Sophia Loreen und viele andere Berühmtheiten und jetzt sie. Auf die Sophia Loreen sind sie besonders stolz, welches oft als Mädchen Neapels genannt wird und sich während des Krieges viel in den alten Gassen von Neapel rumtrieb. Der Kellner meinte auch, dass ich genau wie die Loreen den neapolitanischen Dialekt immer noch auf der Zunge hätte. 

Klar! Das ist meine Heimatsprache in welche berühmten Musikstücke wie „O Sole Mio“ geschrieben wurden und jeder Pizzaolo während der Zubereitung der Pizza mitsingt.


36 Gedanken zu “Was wäre Neapel ohne die Pizza …

  1. Klasse 👍 liebe Maria . Als ich anfing zu lesen habe ich sofort an
    Eat, Pray, Love gedacht 😄und dann schreibst du darüber , dass du genau da gesessen hast .👌Neapel zu erkunden und die weltberühmte Pizza zu essen wird hoffentlich bald wieder möglich sein 😉
    Liebe Grüße Mona 😊❤️

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    1. Michael das ist eine schöne Reisestrecke. Ich bin oft mit dem Schiff von Salerno nach Palermo da mein Vater von Salerno stammte und meine Mutter aus Palermo Corleone. Die Pizza in Neapel ist köstlich aber die Pizza die in Palermo gebacken wird sollte man auch probieren. In Palermo wird die Pizza sfingione gennant und der Teig ist höher und ebenso lecker. Aber ich bleibe meinem Neapel treu. Liebe Grüße Maria

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  2. Im Mai 2018 sind wir vom Campingplatz in Pompeji nach Neapel gefahren. Nachdem wir einen langen Parkplatz gefunden hatten, haben wir Café & Cornetto in einer Bar genossen und dann gab es eine englische Führung mit vier Nationalitäten. In einem bekannten Café gab es Sfogliatella für alle…
    Später haben wir dann noch in einer kleinen Straßenpizzeria unsere Pizza genossen 😍

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    1. Das ist eine tolle Tour aber auch eine sehr gewagte. Wenn ich es recht verstanden habe, hast du dein Wohnwagen in Neapel geparkt. Das nenne ich mutig. Ja, die Sfogliatella…das ist ein traditionelles Gebäck. Wir Neapolitaner beißen da nicht einfach rein, sondern ziehen an dem süßen Stück…man isst sich Schicht für Schicht runter. Es erinnert an eine Muschel😊⚓️

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    1. Hallo Andrea, Lust auf Pizza und das in Neapel. Glaube mir ich würde am liebsten mit meinen ganzen Lesern, welche sich in diesem Blog gemeldet haben hinfahren und einfach nur genießen. Ich bin davon überzeugt das der Tag kommen wird.

      Ich danke dir aus ganzem Herzen mich auf dem Blogroll aufgenommen zu haben.

      Sonnige Grüße, Maria

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  3. Liebe Maria,
    ich komme erst jetzt dazu, Dir für Deinen wunderbaren Bericht zu danken. Am liebsten möchte ich – mit Dir – sofort hinfahren und in alle Winkel gehen, die Du so treffgenau beschrieben hast. Es ist genau so, wie ich es vor vielen Jahren in Neapel kennengelernt habe. An die Via dei Tribunal, die Piazza Miraglia sowie die Via San Gregorio Armeno erinnere ich mich noch sehr gut. Und auch an die wunderbare Pizza-Stücke verschiedenster Art. Das können nur die Neapolitaner so machen, unerreichbar für andere. (Gibt es eigentlich noch die in Teig getauchten und dann ausgebackenen Zucchini-Scheiben? Ich fand sie damals wunderbar, 10 Lire das Stück).
    Auch das neapolitanische Chaos zwischen Trödel, kleinen Geschäften und hupenden Vespas, die überall knatternd herumfahren, gehören einfach zum Straßenbild, Du hast das gut beschrieben.
    Dass man extrem vorsichtig mit seinen Habseligkeiten sein muss, war früher schon so. Ich glaube, dass es für manche Neapolitaner auch eine Art Sport ist, etwas zu ergattern.
    Sophia Loren, das „Mädchen Neapels“, war einfach sie selbst, eine typische Neapolitanerin, ein Vollblut. Ich habe mir ihren ersten bekannten Film „Quo vadis“, mit dem sie weltberühmt wurde, noch einmal angesehen.
    Nochmals vielen Dank und noch mehr solche atmosphärischen Berichte.
    Liebe Grüße Marie

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    1. Liebe Marie, wer wem von uns beiden Neapel zeigt, das ist hier die Frage. Ich glaube es ist immer wieder eine Neuentdeckung mit Menschen wie dich zu Reisen. Denn so wie ich dich durch unseren Austausch kennengelernt habe bist du eine echte Reiselöwin. Ich bin davon überzeugt, dass ich mit dir neues und unentdecktes in Neapel finden würde. Das lese ich aus deinen Reiseberichten heraus. Ich würde mich freuen mit dir die Gassen von Neapel gemeinsam zu entdecken.

      Die frittierten Zucchini-Scheiben getränkt in Teig sind köstlich. Eine Delikatesse aber die Blüten der Zucchini welche im gleichen Teig gebacken werden. Oftmals werden diese bevor sie in Teig getunkt werden auch mit Mozzarella (Büffel natürlich) und einer gesalzenen Sardelle gefüllt. Lecker! Dazu getrocknetes Brot welches im Wasser kurz nass gemacht wird. Danke dir für das lesen und sonnige Grüße Maria

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  4. dein Blog entwickelt sich in eine wundervolle Richtung – nostalgisch und ein klein wenig mit Sehnsucht versetzt …. du hast so viele schöne Erinnerungen, die du in den Blog verpackst.
    Ich freu mich, dass wir an diesen Erinnerungen teilhaben dürfen – liebe Maria – vielen Dank dafür

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  5. Liebe Maria,

    es ist wirklich ein bisschen atemberaubend zu lesen, wie dein Herz für dieses Stück der Welt schlägt, wie die Liebe dazu in jeder Faser deines Körpers zu stecken scheint, wunderbar.

    Ich habe es sehr genossen das zu lessen: … sodass es eine gute Idee ist, gewappnet mit ein Stück Pizza in der Hand, die Stadt zu erkunden.

    Du magst dich wundern, warum? Nun, ich mochte es in der Münchner Innenstadt schon gerne, mit irgend etwas von einem Stand gekauften durch die Fußgängerzone zu schlendern und dem Treiben zuzusehen und das Essen zu genießen.
    Hier in der Schweiz musste ich erfahren, dass man teils ziemlich schräg bis gehässig angeschaut wird, wenn man mit etwas zum Essen in der Hand und kauend nur allein schon durch die Unterführung des Bahnhofes schlendert. Ganz zu schweigen von den Blicken, falls man es wagt, IN der kleinen regionalen Bahn zu essen. Aus irgendeinem Grund ist es für Schweizer, zumindest alle außer der ganzen jungen Generation, ein Unding, in der Öffentlichkeit bzw. auf der Straße zu essen. Sie erachten es für liederlich, als hätte man kein Zuhause, wo man sich in Ruhe hinsetzt, um zu essen. Diesen Punkt werde ich wohl nie verstehen.

    Weiter habe ich mich gefragt, warum das Viertel, das du gefährlich nennst, dein Lieblingsviertel ist? Magst du bei Gelegenheit einmal erzählen, was du dazu empfindest und wahrnimmst? In deiner ganz einzigartigen Art über Italien zu erzählen.

    Herzliche Grüße
    Marion

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    1. Liebe Marion, ich danke dir für deine Worte. Natürlich ist die Küste zwischen Salerno und Neapel meine Heimat. Für mich ist Neapel eine wahre Fundgrube von Sehenswürdigkeiten. Wie Forcella ein Viertel der Clans von Neapel, welche es nicht gerne sehen, wenn man durch diese Gassen spaziert. Ich hingegen gehe keine Umwege, wenn ich von Spaccanapoli in die Pizzeria Trianon möchte. Dann laufe ich da quer durch und das natürlich nur am Tag. Sophia Loren und Mastroianni haben in diesen Gassen den Film Ieri, oggi, domani gedreht und auf wahre Begebenheit ruht. Es ist die Gassen bei welchem die Türklingel kein Namensschild hat.

      Marion als Kinder sind wir mit dem Rad von Lörrach nach Basel gefahren. Haben uns ein Schockistängeli gekauft und es in ein Brötchen reingebohrt. Es stimmt wir wurden immer schräg angeschaut und oft hörten wir die Basler sagen… es gehört sich nicht auf der Straße zu essen. aber es störte uns nicht. Wir aßen unser Brötchen und guckten den Schiffen am Rhein zu. Wir hatten einfach unseren Spaß.
      Liebe Grüße Maria

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  6. Oh, natürlich: „Eat, Pray, Love“. Ein wunderschöner Film mit Julia Roberts mal anders. Die Pizzeria erinnert mich in ihrer Schlichtheit an ein Lokal in Rom nähe der Spanischen Treppe. So eine Art Geheimtip. Da kommen die Kellner meist von ihrer ersten Arbeit als Busfahrer oder Postbote und ziehen sich in der Küche um. Danke für den Beitrag. Leider ist Neapel leider wieder in der Roten (?) Zone.

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    1. Stimmt! Die Region Kampanien ist derzeit Glutrot. Einfach nur schlimm. Aber ich freue mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat. In Rom an der Spanischen Treppe gibt es einige gute Lokale. Ich vermisse es nicht nach Italien reisen zu können. Liebe Grüße Maria

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  7. irgendwann nehme ich mir mal ein jahr zeit und mache eine pizzatour quer durch ganz italien 🙂 (klingt ein bisschen nach eat, pray, love, aber den zweiten und dritten teil lasse ich eher beiseite ^.^). zum glück gibts neapolitanische pizza auch in wien, in zeiten des lockdowns ist das wirklich ein bisschen ein trost.

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    1. Ein vernünftiger Tipp. Aber dieser Streit gehört in Neapel dazu, sonst hätte die Zeitung nichts mehr zu schreiben und es würde still um sie werden. Ein Gruß in meine Lieblingsstadt Hamburg, Maria

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