Salerno und die drei Grazien

Ein wunderbares Trio, meine geliebte Tante und ihre zwei Cousinen, die sich alljährlichen im Haus meiner Großmutter trafen.

Der Besuch der zwei Schwestern spielte sich immer nach einem ganz bestimmten Ritual ab. Meine Cousine kam aus Mogadischu, wo sie mit ihrer Familie lebte und arbeitete, die andere Schwester lebte in Rom und war unverheiratet wie meine Tante.

Also beschlossen sie immer einen Sommertag zusammen zu verbringen, nur sie drei alleine.

Nagellack & Lippenstift

Die Cousine aus Mogadischu brachte meistens ein Nagellack und ein Lippenstift für jeden aus dem Flughafenshop mit. Damals eine Kostbarkeit und sündhaft teuer. Meine Tante hingegen brachte aus Rom einen guten edlen Tropfen Wein. Meine andere Tante nähte für alle drei ein und dasselbe Kleid und die Maße wurden jedes Jahr ein Monat vorher per Briefpost gesendet.

Das Wiedersehen war immer sehr herzlich und die Freude groß.

Bei Ankunft gab es immer den traditionellen Kaffee mit einer italienischen Praline. Dann wurden die wichtigsten familiären Ereignisse, die sich während des Jahres ereigneten durchgesprochen.

Danach ging es ans Eingemachte. Es wurde über Mode und die neuesten Trends gesprochen. Einer der Lieblingsthemen der drei Frauen. Und zwar von A bis Z.

Zuerst kam die Anprobe der Kleider dran und meistens passte alles auf Anhieb. Also fingen alle drei an sich ihre Haare gegenseitig zu toupieren und zu schönen Hochsteckfrisuren zu frisieren. Sie sahen nahezu aus, wie die schönen Models in den Modeheften, welche bei meiner Tante überall rumlagen. Dann wurde gefeilt, gecremt und die Nägel lackiert mit dem teuflisch roten Nagellack. Am Schluss wurde der knallrote Lippenstift aufgetragen. Völlig herausgeputzt und schön gekleidet, flanierten alle drei auf dem Feldweg hinter dem Haus, der völlig menschenleer war. Sie lachten miteinander und alle freuten sich auf den Höhepunkt des Abends.

Zucchiniblüten

Auf die Frittata mit Zuchiniblüten, Mozzarella und den guten Eiern aus dem hauseigenen Hühnerstall mit frisch gebackenem Brot.

Frittata

Elegant mit einem weißen Tischtuch und dem Sonntagsgeschirr wurde der Gartentisch gedeckt. Der Kandelaber und die Lichter in der Gartenpergola aus Weinreben und der Zitrusbaum sorgte für den Zauber, der sich alljährlich wiederholte.

Venedig – zwischen Pest und Amore

Die Sonne scheint.

Nachdenklich laufe ich am Hotel Danieli vorbei. 

Terrasse Hotel Danieli

Das klimpern des Pianisten am Flügel des Café Florian zieht mich zum Markusplatz und ich werde von einer handvoll Tauben empfangen…die bei meiner Ankunft aufgeschreckt davonfliegen. Sie sehen verhungert aus, verzweifelt suchen sie nach Futter, die Bröseln, die einst den Touristen vom Teller fielen, fehlen den Vögeln.

Caffè Florian

Ein faszinierender Augenblick, Venedig ganz für mich alleine zu haben und absolut kein Problem zu haben ein Platz in einem Caffè zu bekommen. Selbst die Condoliere haben Zeit mit mir ein Gespräch anzufangen und wir sind uns sofort einig. Venedig hat so einiges mitgemacht und wird auch diese Phase meistern – es ist die Stadt der schönen Erinnerungen.

Weiter laufe ich zu dem Fischmarkt, an dem sich unzählige Fischlokale entlang des Marktes reihen und sich um die Wette ihre Spezialität anbieten. Natürlich mach ich in einem davon Halt und esse den gekochten Pulpo, der nur mit Salz gewürzt und mit ein paar Tropfen Zitrone beträufelt wird.

 

Pulpo

Herrlich!

Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf und genieße am Schluss bei einem Apperitivo die Abendstimmung über der Lagune von der Panorama Terasse des Danieli.

 

Die Nationalhymne begleitet meine Gedanken. La Guardia Di Finanza hat unten im Hafen eine Feier …die von kreischenden Möven begleitet wird.

Felicità…

È tenersi per mano, andare lontano, la felicità
È il tuo sguardo innocente in mezzo alla gente, la felicità
È restare vicini come bambini la felicità, felicità

Am Ende jedes Sommerurlaubes in der Heimat, gehörte das Nachtschwimmen mit Freunden an der Amalfi Küste dazu.

Wir nahmen nur unsere Strandtücher mit, die wir erstmals als Schutz vor der Sonne elegant um den Kopf banden und setzen kess unsere Sonnenbrille auf. Wir fuhren mit unseren Vespas Richtung Positano und die Abendsonne vergoldete unsere jungen Gesichter. Wir machten Halt in einer sicheren Einbuchtung der Küstenstraße, um den Sonnenuntergang zuzusehen. Es war jedesmal ein einmaliges Schauspiel, wenn der glutrote Ballon sich im Meer vom Tag verabschiedete. 

Es dauerte nicht lange und es wurde schnell dunkel. Der Mond hing wie ein Lampion über dem glitzernden Wasser und das war der Moment, den ich liebte. Das Meereswasser glitzerte in unserer kleinen Bucht durch den Lichtschein des Mondes. Es hatte eine magische Anziehungskraft und wir schwammen in die Nacht hinein. Es war ein Ritual, das wir zum Abschluss aller meiner Ferien unternahmen. Die Rückfahrt durch die Nacht war nicht immer ungefährlich, die Küstenstraße war steil und in den Kurven unübersichtlich, der Tod wurde durch die vielen kleinen durch Kerzen beleuchtete Kreuze am Wegrand sichtbar gemacht.

Aber wir sangen während der ganzen Rückfahrt fröhliche Lieder und der Fahrtwind verlieh uns Flügeln…

Senti nell’aria c’è già
La s canzone d’amore che va
Come un pensiero che sa
Di…

…felicità.

(Al Bano & Romina Power)

Lichtermeer an der Küste

Pandemie und Zauberwörter als Türöffner

Die 5 Grundfarben reichen völlig aus, um unendlich viele Farben zu mischen. Kleinste Pigmentmengen können eine neue Farbe in der Farbpalette ergeben. So übte ich mich in meiner Kreativität.

Kronleuchter

Musik und Noten lernen hingegen war für mich eine Qual. Das Notengesetz zu streng.

Die deutsche Sprache war mir als Kind fremd, dennoch versuchte ich aus den 32 Buchstaben des Alphabets, Wörter aus dem Gehör heraus zu kreieren, was zu einem grammatikalischen Desaster führte.

Das alles hat mich geprägt und zugleich frei gemacht und das ich zu dem Menschen wurde, der nur Genuss empfindet, wenn um mich herum die Menschen auch genießen dürfen.

ICH BIN MIT LEIB UND SEELE GASTGEBERIN! …und habe das nicht nur im Blut sondern habe es auch von der Pike auf gelernt.

Frühstück unter dem Kronleuchter

Normalerweise bin ich in meinem Blog nicht politisch unterwegs. Denn ich mag als ehemalige Touristikerin das Leben und die Welt, so wie sie ist. In meiner Ausbildung habe ich gelernt, wie man Menschen in andere Kulturen und Länder verführt, um den Alltag für kurze Zeit abzustreifen, um sich in eine erholsame Welt begeben zu dürfen.

Was in einer „gesunden Zeit“ auf dieser Welt auch möglich ist.

Aber in dieser verrückten Zeit, scheint es mir eher, dass diese Industrie, welche für Entspannung und Erholung steht, mit allen Mitteln zwanghaft wieder alles im gewohnten Gang bekommen möchte.

Die Zauberwörter, die dies ermöglichen sollen, sollen genesen, geimpft, getestet sein.

Ich habe mich gefragt, welchen Genuss ich dabei hätte, wenn ich in einem Restaurant sässe und wüsste, dass viele andere auch an meinem Platz in diesem Moment sitzen würden. Können es aber nicht, da diese Menschen noch nicht mit dem Virus infiziert wurden, nicht geimpft sind und sich für ein Restaurantbesuch nicht testen lassen möchten. Dann in einer Atmosphäre zu sitzen, mit einem zu großen Abstand.

Da ein Restaurantbesuch, Reisen in ferne Länder und die kulturellen Besuche im Theater mit richtiger Überlegung sicher wieder möglich sein wird, warte ich ab bis es für die breite Masse wieder möglich ist. Bis dahin koche ich weiterhin aus meinen Rezepten aus denen immer wieder neue Rezeptkreationen entstehen. Lasse mich durch gute Musik aus meinem Radio zum Kochen verführen, um im Kerzenschein mein Essen genießen zu dürfen. Dabei fühle ich mich in meiner selbst erschaffenen Bildergalerie wohl.

Gebt acht…

…genießt

Ein paar Tage altes Brot im Backofen warm machen bis es knusprig wird.

Ein paar Olivenölfäden auf das warme knusprige Brot ziehen. 

Frische gewürfelte Tomaten darüberlegen.

Mit Salz und Pfeffer würzen und Origano darüber streuen.

Dazu

Ein Gläschen guten Italienischen Rotwein und gute Musik❤️, dazu höre ich Songs von Massimo Ranieri.

Was hört ihr?

Pizza und Kaffee

Die Bank der Neapolitaner…

…und der wahre Schatz dieser Bank

während der Vorbereitung für den Pizzateig schweiften meine Gedanken zu einer Erinnerung an ein Erlebnis mit meiner Tante in Salerno ab.

Ich nahm während dessen Mehl zur Hand. Ich löste die Würfelhefe in warmem Wasser in einer Tasse auf und gab ein Esslöffel Salz dazu, dann fing ich an die Mehlmischung zu kneten.

Und meine Gedanken nahmen ihre Lauf…

Wie gewohnt saß meine Familie und ich unter der Zitronenpergola und aßen Tantes selbstgemachte Pizza. Es war eine schöne Sommernacht und da sagte meine Tante zu mir: „Morgen ziehen wir uns beide sonntäglich an und gehen zusammen nach Neapel.“

Super dachte ich, dann gehen wir dort Pizza essen…

Meine Tante wählte für den Neapelausflug ihr selbstgeschneidertes Kleid, welches in einem leichtem Blau mit dezenten blassgelben kleinen Blumen bedruckt war. Es betonte sehr gut ihre zarte fast zerbrechliche Figur. Ihr fiel das leicht gelockte braune Haare auf die Schulter und umrahmte ihr schönes ebenmäßiges Gesicht. Dazu hatte sie ihre Seidenstrümpfe, die mit einer Strumpfnaht versehen waren und schwarze Pumps an. Passend dazu wählte sie ihre schwarze Lacktasche aus. Diese Tasche nahm sie nur für besondere Anlässe mit.

Ich wählte für diesen Tag meine mit Strass besetzten Sandalen aus und trug dazu mein dunkelblaues Marinekleid. Für Neapel musste es bequem sein, denn die Fahrt ging eine gute Stunde von Salerno nach Neapel und im Zug war es im Sommer sehr heiß, so wie in einem Backofen.

Ich dachte – naja in diesem eleganten Aufzug, Pizza essen in Neapel…

In Neapel angekommen gingen wir gleich zu Mary und holten uns eine Sfogliatella. Wir wurden von der Inhaberin auch herzlichst begrüßt und meine Tante tauschte mit Mary wie gewohnt noch ein paar Worte aus.

Dann steuerten wir die Via Toledo hoch, damals hieß diese Straße eine zeitlang sogar Via Roma.

In der Via Toledo hielten wir vor einem Gebäude mit einer großen breiten Treppe. Ich schaute zu meiner Tante hinauf und ich sagte zu ihr. „Ist das jetzt eine neue Pizzeria?“ „Was tun wir hier überhaupt?“ Sie meinte: „Nein, aber hier bringen die Pizzaioli ihr verdientes Geld hin.“

Ich fragte nicht weiter, denn wir standen vor der Tür dieses Gebäude und zwei Herren in Uniform und weißen Handschuhen öffneten uns die Eingangstür. Ich dachte in diesem Moment, wo sind wir denn hier gelandet. Ich schaute meine Tante fragend an und sie schaute mit ihren großen braunen Mandelaugen zurück. Ich sah ein Blitzen in ihren Augen was ich so noch nie bei ihr gesehen hatte. Der Raum war riesig und die Wände und Decken waren mit wundervollen Fresken bemalt, welche mit Deckenstuck umrandet waren. Für mein Geschmack schon fast zu üppig. Eine bunte blumenverzierte Glasdecke erhellte den großen Raum. Es gab unendlich viele Schalter und dahinter standen Mitarbeiter, welche ebenfalls eine Uniform trugen und das Geld mit weißen Handschuhen zählten. Ich fing an die Schilder langsam zu lesen und meine Tante steuerte gezielt auf den Schalter zu, bei welchem „Kontoeröffnung Ausland“ stand. Ich hatte das Gefühl neben einer Grand Dame zu stehen. Wir nahmen Platz auf einer wunderschönen hölzernen Sitzbank, bis wir aufgefordert wurden, in einem bequemen Sessel vor einem sehr großen prunkvollen Schreibtisch Platz zu nehmen. Es verging gut eine Stunde bis alles in die Wege geleitet war und der Bankangestellte, welcher keine Uniform und keine Handschuhe trug, erklärte meiner Tante höflich die Vertragsbedingungen. Während der Abwicklung der Formalitäten brachte man uns Wasser, Kaffee und Schokolade. Vor allem wurde meine Geduld gelobt wie artig ich sei. Ganz ehrlich ich traute nicht einmal zu atmen. Denn so eine Bank hatte ich nie zuvor gesehen. Nirgendwo. Nicht einmal in Basel oder Zürich, wo mein Vater Geld für seinen Einkauf eintauschte. Als der Vorgang beendet war wurden wir sehr höflich verabschiedet. Wieder öffneten uns zwei Männer in Uniform und weißen Handschuhen die Ausgangstür der Bank mit einer sehr gekonnten und eleganten Geste um wieder zur Via Toledo zu gelangen.

Ich lief stumm neben meiner Tante und musste dieses Erlebnis erst einmal verarbeiten. Sie hatte sich ein Konto für ihre Selbständigkeit eröffnet. Von nun an machte sie stoffbezogene Knöpfe für Frauenblusen, Kleider und Mäntel. Das hatte sie mir stolz auf dem Rückweg erzählt.

Die Ware ging nach Übersee und von da aus in die ganze Welt. Dafür brauchte sie ein internationales Konto und entschied sich für diese prunkvolle Bank.

Danach feiert wir ihren neuen Job an einem Pizzastand und fuhren wieder mit dem Zug Richtung Salerno.

Dieses Erlebnis war so eindrucksvoll, dass ich ihn zu meinem Ritual machte, wenn ich zu Besuch nach Salerno fuhr um meine Tante zu besuchen. Dann wechselte ich immer meine Deutsche Mark in Italienischer Lire in dieser wohl ältesten Bank dieser Welt um, welche sich im Palazzo Zevallos Stigliano befindet. Die Banker trugen immer noch eine Uniform und fassten das Geld mit weißen Handschuhen an. Nur ich betrat die Bank mit meiner Reisetasche, Jeans, T-Shirt und meinen mit Glitzersteinen besetzten Sandalen aus Positano. Außerdem hatte ich 15 Stunden Zugfahrt von Lörrach nach Neapel hinter mir. Nun betrachtete ich diese Räumlichkeiten aus der Jugendstilzeit die sich vor mir öffneten nicht mehr mit Kinderaugen. Ich ging selbstbewusst auf den Wechselschalter Ausland zu und war immer noch fasziniert von dem schönen Marmorboden mit den Intarsien. Dem vielen Stuck, Gold und Fresken welche die Decken, Wände und Balustraden schmückten. Ich wusste auch sobald die Herren in Uniform mit den weißen Handschuhen mir die Ausgangstüre öffneten und ich die Schwelle zur via Toledo wieder betrat, war ich wieder in meinem gewohnten Neapel. Zwischen hupenden Fahrzeugen, Polizei und dem täglichen neapolitanischen Wahnsinn welcher diese Stadt so einzigartig macht.

A B  E  R .  .   .

…der wahre Schatz dieser Bank befindet sich in den oberen Räumlichkeiten der Bank. Ein Raum dessen Wände in einem engelsblau gehalten und mit dem Deckenstuck nicht gegeizt wurde. Hier hängt das Gemälde „l’ultimo di Caravaggio“ – il Martirio di sant’Orsola. Das Herzstück dieses Gebäudes, welches für das Rot des Meisterwerks das Blut einer besonderen Insektenart als Farbpigment verwendet wurde.

Das Kunstwerk kam in die Hände der Bank, weil eine neapolitanische Signora, Schulden bei dieser Bank zu begleichen hatte. Sie gab der Bank das Meisterwerk, damit ihre Schulden erlassen wurden, ohne vorher das Bild von einem Gutachter prüfen zu lassen. Die Bank erließ ihr die Schuld und wertete es als minder ein als es dem tatsächlichen Wert entsprach. Der Wert dieses Gemäldes geht in die Millionen und es wird zur Zeit behauptet, dass es jetzt Neapel verlassen wird und in einem anderen noch unbekannten Ort einen neuen Platz bekommt. Sollte diese Stadt dieses Meisterwerk für Geld eintauschen, wird das Herz Neapels für immer bluten, denn die Bank wurde für immer geschlossen.

Neapel ist und bleibt eine wahre Fundgrubefür Entdecker jeder Art die den besonderen Reisekitzel mögen…

…und nun zum Rezept für den Pizzateig:

1 Würfelhefe

1 Kilo Mehl

1 Esslöffel Salz

Die Würfelhefe in gut warmem Wasser auflösen und in das gehäufte Mehl und Salz kneten. Dazu verwende ich die Knethacken meines Handmixers. Ich gebe solange warmes Wasser hinzu bis sich die Masse zu einem festen Teig bildet. Eine Handvoll Mehl lasse ich immer wieder übrig, damit ich am Schluss falls der Teig nicht fest genug ist nochmals den Teig mit dem Mehl nacharbeiten kann und danach den Teig an einem warmen Ort mehrmals aufgehen lassen kann. Der Teig ist dann gut, wenn ich mit dem Finger in den Teig drücke und der Abdruck bestehen bleibt.

Mein Belag bleibt traditionell: Tomaten,Mozzarella, Origano und Kapern.

Das ist das Rezept meiner Tante – das Einzigartige war nur, das sie die Pizza in ihrem Holzofen und in ihren Backblechen aus Kupfer die Pizza bug. Die Pizza wurde durch dieses Blech besonders knusprig und bekam durch die heimischen Hölzer eine besondere Geschmacksnote.

Was wäre Neapel ohne die Pizza …

…natürlich immer noch Neapel aber die Pizza gehört eben dazu.

Es gibt mehr als 1000 Möglichkeiten in Neapel eine Pizza zu essen und alle sind auf ihre Art gut. 

Die einfachste und schnellste Art ist, sich an einem Pizzastand eine To-Go Pizza mitzunehmen. Das hat wahrhaftig Tradition in dieser Stadt. Jeder Stand hat sein eigenes Geheimrezept. Außerdem gibt es viel in dieser Stadt zu sehen, sodass es eine gute Idee ist, gewappnet mit ein Stück Pizza in der Hand, die Stadt zu erkunden. 

Aber es gibt auch Pizzalokale in Neapel, welche ich bei jedem meiner Besuche eines dieser Lokale aufsuche.

So wie in der Via dei Tribunali, beherrscht die Großfamilie Sorbillo das Geschäft mit der Pizza – hier bevorzuge ich die Hausnummer 32. Die Familienmitglieder sind sich untereinander nicht immer einig. Der Machtkampf um die beste Teigrezeptur und die richtige Zusammenstellung für das Brennholz, damit die Pizza das richtige Aroma bekommt treibt so manches Mitglied der Familie zur Weißglut. Da hilft es auch nicht ein Lokal in der Via dei Tribunali (Weg der Gerichte) zu betreiben, denn kein Gericht der Welt konnte den jahrzehntelang andauernden Familienstreit schlichten. Ich denke mir, solange sie um das beste Rezept streiten, ist die exzellente Qualität der Pizza garantiert.

Verlässt man dieses Lokal, steht man Mitten im neapolitanischen Chaos zwischen Trödel, kleinen Geschäften und hupenden Vespas, die hier überall herumfahren und zum Straßenbild ganz einfach dazugehören. Via dei Tribunali, welche zum Weltkulturerbe ernannt wurde und sich von Port’Alba bis Castel Capuano erstreckt, gehört zu den ältesten Hauptstraßen Neapels. Von hier aus ist der Dom und der Patron von Neapel San Gennaro leicht zu erreichen. Ebenso das Konservatorium von San Pietro a Majella, Forcella ein Viertel, welches mit großer Vorsicht besucht werden sollte und zu einer meiner bevorzugten Vierteln gehört. In Forcella verstummen die Stimmen und auf seiner Brieftasche sollte man hier immer die Hand draufhaben. Man begegnet kaum einem Menschen und wenn, dann sind diese darauf bedacht mit schnellem Schritt wieder aus diesem Viertel herauszukommen. Außerdem sind an den Hausklingeln keine Namen zu sehen. Wer hier wohnt, möchte anonym bleiben und man hat das zu respektieren. 

Die Piazza Miraglia sowie die Via San Gregorio Armeno und die Piazza San Gaetano sind eine Besichtigung wert. Der Eingang für die Napoli Sotteranea befindet sich auch hier in der Nähe und in diesem Untergrund taucht man tief in das Herz Neapels ein, welches im 2. Weltkrieg teilweise Schutz vor dem Bombenhagel bot.

Meistens lege ich bei so einer Exkursion ein Pizzatag ein und laufe die Spaccanapoli runter, in Richtung Da Michele. Dies ist die Pizzeria, bei welcher ich sagen muss, hier werde ich noch als Einheimische begrüßt, mit Handschlag und als Signora. Ich bekomme dann einen Zettel mit einer handgeschriebenen Nummer in die Hand gedrückt und sobald die Nummer vom Oberkellner aufgerufen wird, kann man die Pizzeria betreten. Meistens sitze ich am Tisch, bei welchem der Film „Eat, Pray, Love“ mit Julia Roberts gedreht wurde und mir grinsend der Kellner zuflüstert…hier saß auch schon Sophia Loreen und viele andere Berühmtheiten und jetzt sie. Auf die Sophia Loreen sind sie besonders stolz, welches oft als Mädchen Neapels genannt wird und sich während des Krieges viel in den alten Gassen von Neapel rumtrieb. Der Kellner meinte auch, dass ich genau wie die Loreen den neapolitanischen Dialekt immer noch auf der Zunge hätte. 

Klar! Das ist meine Heimatsprache in welche berühmten Musikstücke wie „O Sole Mio“ geschrieben wurden und jeder Pizzaolo während der Zubereitung der Pizza mitsingt.

Spaghetti, Knoblauch, Öl und etwas Schärfe…

…es braucht nicht viel, um eines der Spaghettigerichte auf den Küchentisch zu zaubern, welches für wenig Geld eine neapolitanische Großfamilie glücklich und satt macht. 

Das Drumherum am Esstisch ist es, was das einfache Gericht  zum Genuss macht.

Es werden Neuigkeiten ausgetauscht, die während der Besorgung der Zutaten gemacht wurden. Ebenso werden die aktuellen Preise von Obst und Gemüse, Teigwaren und den Preis für 1 Liter Olivenöl besprochen. Besonders wichtig ist, bei welchem Händler man die beste Qualität bekommt. All das ist dem Familienoberhaupt am Tisch wichtig.

Es wird eben nicht einfach nur gegessen, sondern es wird diskutiert, gewitzelt und gelacht. 

Hier das Rezept für 2 Personen:

500 Gramm Spaghetti „al dente“ in gesalzenem Wasser kochen.

    4 Esslöffel Olivenöl in ein Pfännchen warmmachen und den in  Scheiben geschnitten

    1 Knoblauch goldgelb anbraten.

    1 scharfe Peperoni in das noch heiße Knoblauch-Olivenöl beigeben.

Die Spaghetti abschütten und ein bisschen von dem Kochwasser mit in die Pasta Schüssel dazugeben. Dazu das Öl mit dem Knoblauch und der Peperoni beimischen.

Mit Salz und Pfeffer nachwürzen und mit frischer kleingehackter  Petersilie und etwas Olivenöl beifügen. Die gebratene Peperoni  als Garnitur auf die Spaghetti legen.

Lasst es euch schmecken!

Tief in meiner Schatzkiste…

…fand ich noch diese Juwelen

Wenn ich die Via Toledo in Neapel entlang schlendere, ist mein erster Halt die Hausnummer 214. Gay Odin ist ein kleiner Laden, bei dem das Eintreten von einer knarrenden Ladentür begleitet wird und man sofort in Mitten einer Duftwolke von Schokolade und süßen Essenzen steht. Die Regale sind vollgepackt mit Schokolade, Pralinen und einer handvoll Eissorten aus der hauseigenen Herstellung.

Mit dem Schokoladeneis und der Schokolade la Foresta Nera (= Schwarzwald), welches mein Favorit ist, hat sich die Manufaktur in der Stadt einen Namen gemacht. Mit dem Spachtel wird es entweder in den Pappbecher gestrichen oder in eine Eiswaffel gespachtelt. Das Eis wird solange mit der Spachtel von der Eiswaffel hochgezogen bis sich am Ende eine Eislocke bildet. Stolz überreicht der Verkäufer mir die eiskalte Süßspeise und ich laufe mit dieser erfrischenden Köstlichkeit die Via Toledo hinauf, in Richtung Altstadt Spaccanapoli.

Die Via Toledo ist trotz ihres Zerfalls modern, es reihen sich, wie in jeder anderen Stadt, die zahlreichen Geschäfte und Modeketten aneinander.  Die Polizei im Auto oder zu Pferd ist hier immer präsent. Die Via Toledo führt entlang des Spanischen Viertel, was mit einer gewissen Vorsicht zu betreten ist, aber auf jeden Fall besichtigt werden sollte.

Was mich immer wieder begeistert, sind die Menschen, die ihren Alltag in dieser Stadt improvisierend meistern. Beispielsweise in ein zu großes Clown Kostüm reinschlüpfen und versuchen die Aufmerksamkeit des Strassenpublikums auf sich zu ziehen. Andere fangen einfach auf der Straße an zu singen oder Poesien vorzutragen. Die berühmten Hütchenspieler sind sowieso überall zu finden. Man sucht sich eben eine Aufgabe, für das tägliche Überleben.

Bei Scartuchio in der Piazza S. Domenico Maggiore,19 genehmige ich mir ein leckeres Schokoladentörtchen, für welches er berühmt ist. Dieser Laden im historischen Viertel der Stadt wird sowohl von Künstlern wie auch von Politikern aus aller Welt zum Genuss des süßen Stückchens besucht. Hier mache ich mir als einige Notizen über den Besuch dieser Stadt oder schaue dem interessanten Publikum, welches sich in der Piazza tummelt, zu. Es lohnt sich einfach länger sitzen zu bleiben, um dann ausgeruht die Sehenswürdigkeiten, die von hier aus nicht weit entfernt sind, zu besichtigen. 

Neapel zu besuchen ohne mir einen Caffé Scecherato bei Gambrinus in der Via Chiaia,1/2 zu gönnen, das wäre ja tödlich! Üblicherweise trinke ich am Tresen meinen Kaffee, bei dem die Zubereitung dieses Getränks auch zum Besuch der Bar schon ein Erlebnis ist. Hier wechsle ich ein paar Worte auf Neapolitanisch mit einem der eleganten Barista und sehe dabei gerne seinem gekonnten Umgang mit dem Shaker zu. Der bereits gefrorene und gezuckerte Kaffee wird im Shaker so lange geschüttelt bis der Kaffee ein Schaum bildet. Auf Wunsch wird ein Schuss Likör beigefügt. Dann wird der Kaffee in einem von Eiswürfeln vorgekühlten Kristallglas, gefüllt. Ein Hauch von Kakaopulver wird über den Schaum gestreut und eine geröstete Kaffeebohne vorsichtig auf den Kaffeeschaum gelegt. Der Barista in seinem weißen Blaser hinter dem Tresen lässt den Blick nicht von meinem Glas. Jedesmal erzählt er mir die gleiche Story von den kostbaren Kristallgläsern des Hauses und jedesmal versichere ich ihm, dass ich keines dieser Gläser mitgehen lasse, denn sie gehören in diesen heiligen Hallen der Bel Epoche Zeit hinein.

Von hier aus ist meine letzte Station die Galerie Umberto I. Ein süßer Duft von neapolitanischen süßen Stückchen weht mir beim Schreiben dieser Zeilen um die Nase und Nostalgie macht sich in meinen Erinnerungen breit. Bei Da Mary hole ich mir eine Sfogliatella. Eine Anlaufstelle für jeden Heimischen, denn hier gibt es den Baba getränkt in Vermouth, die Zeppola und eben meine geliebte Sfogliatella. Zu Zeiten von Mary konnte man seine Alltagssorgen noch dazu loswerden und bekam einen guten Rat auf den Weg. Den Kaffee holt man sich in der Galeria an der Bar und die Zigarette gab es bei der alten Dame, die mit einem Tuch zugedecktem Körbchen am Arm dastand und dessen Inhalt sie mit Zigarettenstangen gefüllt hatte. Bei dieser Dame kaufte ich mir immer ein Päckchen Marlboro und hielt mich um eine Zigarettenlänge bei ihr auf. Unsere Gespräche wurden oft mit dem Satz beendet und von ihrem breiten Grinsen untermalt, dass ich viel zu jung für das Rauchen wäre. 

Sie wurde von allen geschützt und wusste genau was in dieser brodelnden Stadt vorging. Diese Dame liebte ich für ihren Mut.

Zu einem Neapel Besuch gehört es, vorsichtig zu sein, um in   dieser Stadt, welche sich ihre Identität niemals stehlen lässt, das süße Stückchen genießen zu dürfen!

In Neapel weihnachtet es das ganze Jahr…

…und wo?

In der Via S. Gregorio Armeno, Mitten in den engen Gassen von Neapel, zwischen der Piazza del Gesù und der Via dei Tribunali, unweit von Spaccanapoli, befindet sich die Straße voller Kunsthandwerk rund um das Krippengeschäft.

Egal welche Temperaturen in dieser süditalienischen Metropole herrschen in diesen Gassen hat sich Kunst, Handwerk und Christentum vereint, um die Geburt Jesu in einem Krippenspiel festzuhalten. Es wird 365 Tage, gehämmert, geformt, geschnitzt und gehandelt. Man betont, dass hier nicht einfach verkauft wird! Um diese Kunstwerke aus Ton und Kork muss gefeilscht und diskutiert werden! Damit man sich während des Kaufes klar wird, welches heilige Unikat man erstanden hat. Um den Kauf zu unterstreichen wird an der Café Bar nebenan ein Kaffee bestellt und durch einen Barista direkt geliefert. Solch eine Krippe behält man ein Leben lang und wird auch weitervererbt.

Eine Künstlerin hat mir sogar verraten, dass sie oftmals Gesichter aus dem täglichen Leben als Krippenfiguren in Ton formt. Also einheimische Gesichter, was ich sehr interessant fand. Auch erzählte sie mir, dass nicht nur Menschen aus der ganzen Welt bei ihr einkaufen, sondern auch von Übersee ehemalige italienische Migranten mit ihren Krippen vorbeikommen, um das geliebte Erbstück restaurieren zu lassen. Außerdem kann man auch heutzutage die Krippen im Netz ersteigern und es wird in die ganze Welt geliefert, erzählte sie mir voller Stolz. Sie fügte hinzu, dass alle in dieser Straße ihre Ware im Netz verkaufen. Wir kennen uns auch untereinander und sind sozusagen eine Familie und haben ein Auge auf die Repliken aus Asien im Netz. Klar ich hatte sowieso das Gefühl das Jesus und die Heilige Familie nicht in Betlehem, sondern aus Neapel stammte. Die Krippen sind so detailgetreu und liebevoll dargestellt, dass man das Gefühl bekommt, Jesus sei in dieser Straße geboren worden. Da möchte man natürlich nur das Original der Krippe erwerben.

Ich erzählte ihr, dass meine Großeltern auch so eine Krippe besaßen. Jedoch war diese unter einer Glasglocke, was ihrer Meinung nach, ein sehr kostbares Exemplar gewesen sein muss. Zur Weihnachtszeit wurde die Krippe immer auf dem Kaminsims gestellt. Dabei feuerte mein Großvater den Kamin an und röstete die Maroni auf dem Rost. Dazu gab es Glühwein und Kinderpunsch. Die Wohnung füllte sich mit weihnachtlichen Gewürzen. Die Künstlerin grinste und sah mir tief in die Augen und meinte dabei…solche Erinnerungen sind genau so wertvoll, wie der Besitz einer Krippe. 

Da musste ich ihr einfach zustimmen!

Könnte ich meine Reiseerinnerung in ein Parfümfläschchen füllen, so könnte ich dem Zauber der Meere jetzt näher sein…

…oder ich hole das Meer zu mir!

Das Weihnachtsessen wurde in meiner Familie meistens von meinem Vater zubereitet. Er war es, der bei Salerno an der Amalfi Küste aufwuchs und die Fischgerichte nach den Rezepten seiner Mutter an diesen Tagen für uns zubereitete. Mit größter Sorgfalt aber auch mit sehr viel Aufwand kaufte er in unterschiedlichen Läden im Dreiländereck sein Fisch und die anderen Zutaten ein.

Baccalà bekannt auch als Stockfisch, Muscheln und einige andere Sorten Fisch füllten unseren Kühlschrank während der Weihnachtstage. Es roch nach Meer in der ganzen Wohnung. Das mochte ich!

Eines der Gerichte waren Spaghetti alle Vongole, die es meistens an Heiligabend bei uns gab. Wir Kinder freuten uns auf dieses Gericht, denn die Muschelschalen nahmen wir zum basteln. 

Also wurde auch alles verwertet…

Dieses Nudelgericht gehört heute noch zu meinen beliebtesten Weihnachtsessen und es ist auch nicht schwierig in der Zubereitung.

Für 4 Personen:

500 Gramm Spaghetti 

500 Gramm Muscheln (Vongole)

    1 unbehandelte Zitrone

    4 Esslöffel Olivenöl (nach belieben mehr)

    1 Knoblauchzehe

    1 Bund Blattpetersilie

    5 getrocknete Tomaten

       Salz und Pfeffer

Spaghetti „al dente“ kochen 

Die Muscheln unter kaltem Wasser waschen abtropfen lassen.

Olivenöl in ein Topf geben und die Knoblauchzehen mit den kleingeschnittenen getrockneten Tomaten goldgelb anbraten. Die Muscheln in das Olivenöl legen und die Blattpetersilie dazugeben. Die Muscheln auf niedriger Flamme leicht erhitzen bis sich die Muscheln im Topf vollständig öffnen und ein Schuss Weißwein dazugeben. Mit dem Öffnen der Muscheln sind diese auch gar.

Die Spaghetti abgießen und ein Tasse Nudelwasser in eine Schüssel gießen dazu der Saft einer unbehandelten Zitrone, 4 Esslöffel Olivenöl und einige Blätter der frischen Petersilie. Mit einer Gabel zu einer cremigen Flüssigkeit schlagen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dazu die Spaghetti dazugeben und die Muscheln. 

Als kleiner Tipp! Die Spaghetti mit der restlichen Petersilie garnieren und die unbehandelte Zitronenschale ein bisschen über das Muschelgericht reiben. Es entfaltet sich ein mediterraner Duft…herrlich!

Dazu kalter Weißwein und Kerzenlicht. Guten Appetit und eine schöne Weihnachtszeit!