In Neapel weihnachtet es das ganze Jahr…

…und wo?

In der Via S. Gregorio Armeno, Mitten in den engen Gassen von Neapel, zwischen der Piazza del Gesù und der Via dei Tribunali, unweit von Spaccanapoli, befindet sich die Straße voller Kunsthandwerk rund um das Krippengeschäft.

Egal welche Temperaturen in dieser süditalienischen Metropole herrschen in diesen Gassen hat sich Kunst, Handwerk und Christentum vereint, um die Geburt Jesu in einem Krippenspiel festzuhalten. Es wird 365 Tage, gehämmert, geformt, geschnitzt und gehandelt. Man betont, dass hier nicht einfach verkauft wird! Um diese Kunstwerke aus Ton und Kork muss gefeilscht und diskutiert werden! Damit man sich während des Kaufes klar wird, welches heilige Unikat man erstanden hat. Um den Kauf zu unterstreichen wird an der Café Bar nebenan ein Kaffee bestellt und durch einen Barista direkt geliefert. Solch eine Krippe behält man ein Leben lang und wird auch weitervererbt.

Eine Künstlerin hat mir sogar verraten, dass sie oftmals Gesichter aus dem täglichen Leben als Krippenfiguren in Ton formt. Also einheimische Gesichter, was ich sehr interessant fand. Auch erzählte sie mir, dass nicht nur Menschen aus der ganzen Welt bei ihr einkaufen, sondern auch von Übersee ehemalige italienische Migranten mit ihren Krippen vorbeikommen, um das geliebte Erbstück restaurieren zu lassen. Außerdem kann man auch heutzutage die Krippen im Netz ersteigern und es wird in die ganze Welt geliefert, erzählte sie mir voller Stolz. Sie fügte hinzu, dass alle in dieser Straße ihre Ware im Netz verkaufen. Wir kennen uns auch untereinander und sind sozusagen eine Familie und haben ein Auge auf die Repliken aus Asien im Netz. Klar ich hatte sowieso das Gefühl das Jesus und die Heilige Familie nicht in Betlehem, sondern aus Neapel stammte. Die Krippen sind so detailgetreu und liebevoll dargestellt, dass man das Gefühl bekommt, Jesus sei in dieser Straße geboren worden. Da möchte man natürlich nur das Original der Krippe erwerben.

Ich erzählte ihr, dass meine Großeltern auch so eine Krippe besaßen. Jedoch war diese unter einer Glasglocke, was ihrer Meinung nach, ein sehr kostbares Exemplar gewesen sein muss. Zur Weihnachtszeit wurde die Krippe immer auf dem Kaminsims gestellt. Dabei feuerte mein Großvater den Kamin an und röstete die Maroni auf dem Rost. Dazu gab es Glühwein und Kinderpunsch. Die Wohnung füllte sich mit weihnachtlichen Gewürzen. Die Künstlerin grinste und sah mir tief in die Augen und meinte dabei…solche Erinnerungen sind genau so wertvoll, wie der Besitz einer Krippe. 

Da musste ich ihr einfach zustimmen!

Könnte ich meine Reiseerinnerung in ein Parfümfläschchen füllen, so könnte ich dem Zauber der Meere jetzt näher sein…

…oder ich hole das Meer zu mir!

Das Weihnachtsessen wurde in meiner Familie meistens von meinem Vater zubereitet. Er war es, der bei Salerno an der Amalfi Küste aufwuchs und die Fischgerichte nach den Rezepten seiner Mutter an diesen Tagen für uns zubereitete. Mit größter Sorgfalt aber auch mit sehr viel Aufwand kaufte er in unterschiedlichen Läden im Dreiländereck sein Fisch und die anderen Zutaten ein.

Baccalà bekannt auch als Stockfisch, Muscheln und einige andere Sorten Fisch füllten unseren Kühlschrank während der Weihnachtstage. Es roch nach Meer in der ganzen Wohnung. Das mochte ich!

Eines der Gerichte waren Spaghetti alle Vongole, die es meistens an Heiligabend bei uns gab. Wir Kinder freuten uns auf dieses Gericht, denn die Muschelschalen nahmen wir zum basteln. 

Also wurde auch alles verwertet…

Dieses Nudelgericht gehört heute noch zu meinen beliebtesten Weihnachtsessen und es ist auch nicht schwierig in der Zubereitung.

Für 4 Personen:

500 Gramm Spaghetti 

500 Gramm Muscheln (Vongole)

    1 unbehandelte Zitrone

    4 Esslöffel Olivenöl (nach belieben mehr)

    1 Knoblauchzehe

    1 Bund Blattpetersilie

    5 getrocknete Tomaten

       Salz und Pfeffer

Spaghetti „al dente“ kochen 

Die Muscheln unter kaltem Wasser waschen abtropfen lassen.

Olivenöl in ein Topf geben und die Knoblauchzehen mit den kleingeschnittenen getrockneten Tomaten goldgelb anbraten. Die Muscheln in das Olivenöl legen und die Blattpetersilie dazugeben. Die Muscheln auf niedriger Flamme leicht erhitzen bis sich die Muscheln im Topf vollständig öffnen und ein Schuss Weißwein dazugeben. Mit dem Öffnen der Muscheln sind diese auch gar.

Die Spaghetti abgießen und ein Tasse Nudelwasser in eine Schüssel gießen dazu der Saft einer unbehandelten Zitrone, 4 Esslöffel Olivenöl und einige Blätter der frischen Petersilie. Mit einer Gabel zu einer cremigen Flüssigkeit schlagen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dazu die Spaghetti dazugeben und die Muscheln. 

Als kleiner Tipp! Die Spaghetti mit der restlichen Petersilie garnieren und die unbehandelte Zitronenschale ein bisschen über das Muschelgericht reiben. Es entfaltet sich ein mediterraner Duft…herrlich!

Dazu kalter Weißwein und Kerzenlicht. Guten Appetit und eine schöne Weihnachtszeit!

Leute! Ich muss euch was erzählen.

Kurz vor der erneuten Schließung der Bars und Gaststätten bedingt durch die Pandemie besuchte ich eine Bar in der Freiburger Innenstadt. 

Eine schöne Location, um mal unter netten Leuten ein paar Stunden zu genießen. Der eine oder andere Prominente kann dann schon mal neben einem sitzen. Denn in dieser schon fast konservierten Zeit, ist es gut Gespräche und Meinungen von anderen mitzubekommen, die nicht in den Medien stehen. Es wird einem bewusst, dass wir alle im selben Boot sitzen und wir uns plötzlich von nichts unterscheiden, denn Geld spielt in dieser Zeit nicht mehr ganz so eine große Rolle. Ein anderer Reichtum ist in einer solchen Zeit gefragt.

So wurde es mir an diesem Abend bewusst, dass wir ausgehungert von Kunst und Kultur sind und uns auf ein solchen Augenblick wie diesen freuen. 

Am Flügel in der Bar wurde gespielt. Mal heiter mal melancholisch. Die wenigen Gäste genossen diesen Augenblick man sah es in ihren Gesichtern.

Ich machte es mir gemütlich in einer der Barsessel und nippte an meinem Getränk. Meine Gedanken lies ich freien Lauf und Erinnerungen aus meinen letzten Reisen wurden von der Melodie am Flügel begleitet.

Auf einmal fing hinter mir ein Gast an leise mitzusummen. Er wagte sich vorsichtig, um nicht die Vorschriften des Gesetzes zu brechen etwas lauter mit dem Stück mitzugehen. Es war ein Stück aus einer italienischen Oper. Dabei blieb es nicht, ein anderer Gast kannte das Stück und fing ebenfalls an mit seiner sehr schönen Stimme mitzusingen. Als der Klavierspieler nach einer kurzen Pause wieder ein bekanntes Stück spielte, fing dieser Gast wieder an zu singen und plötzlich wurde er von einer weiblichen Stimme begleitet. Ein wundervoller sehr stimmungsvoller Augenblick.

Ein Moment welcher lange nachwirkte und ich noch tagelang vor mich her summte, was mich heiter stimmte…ein Kulturschatz, welcher derzeit nicht mehr selbstverständlich ist.

Keramik, Fisch und Kunst…

…ist allemal in Vietri sul Mare zu finden.

Diese Ortschaft ist die letzte schöne Perle entlang der Felsenküste von Amalfi, welche sich wie eine Kette aus wunderschönen Orten an der steilen Felswand aufreiht. 

In diesem Ort ist der Vietrese erstmal Gastgeber und nicht Einheimischer. Dies wird ihm in die Wiege gelegt und der Besucher wird auch nicht enttäuscht werden. Sie helfen beispielsweise einem aus der Patsche, wenn ein Tourist meint, die engen Gassen dann doch mal mit dem Auto durchfahren zu müssen, oder die Macht des Meeres an den steilen Klippen für seine Wasseraktivitäten unterschätzt.

Die Vietresi sind stolz auf ihren Heimatort, welcher an der Felswand mit kleinen schmucken Häuser gebaut ist. Die Piazza bildet die Spitze mit den traditionsreichen Geschäften und dem Kunsthandwerk, welcher von der bemalten Kachel bis hin zur Kaffeetasse reicht und eine Galeriemeile der Heimatkeramik bildet. Aber auch Bars, Schmuckläden, Boutiquen mit Kleidern und Schuhe, welche zu diesem maritimen Ort passen, sind hier zu finden.

Vietri sul Mare ist kein Ort, durch welchen man einfach durchläuft, sondern es ist schon fast ein Hinpilgern der Menschen aus der ganzen Welt, die diesen malerischen Ort kennenlernen wollen. Was es so einzigartig macht, ist die Lage der Ortschaft, denn es hat durch die Felswand eine kleine eigene Bucht mit einer Marina. Die Promenade befindet sich im oberen Teil des Fischerortes und ist eine Bühne für einen ungestörten Blick von einer gekachelten Sitzbank aus dem offenen Meer zu genießen. Zudem verfangen sich mehrmals am Tag Sonnenstrahlen in der Bucht und lassen zu verschieden Tageszeiten den Ort immer wieder in einem anderen Gelbton erstrahlen. Hier findet Geist und Seele Ruhe, selbst wenn plötzlich unter einem Orchester aus Autohupen und lauten Geschimpfe von nicht einsichtigen Menschen, die meinen den Verkehrsstau, der durch den Ort entlang zu der engen Küstenstraße führt, beschleunigen zu müssen. Der Spruch eines meiner Cousins ist: „es bedarf eine besondere Liebe zu diesem Ort, um in diesem Museum leben zu können.“

Zudem ist es der Geburtsort meines Großvaters und er verließ Vietri sul Mare erst, als er meine Großmutter heiratete. Das war ein echter Liebesbeweis, denn ein Vietrese verlässt nicht ohne triftigen Grund sein Paradies. Dennoch er wurde auch in Salerno sehr glücklich, das nur ein paar Kilometer entfernt von seinem Geburtsort liegt.

Am Ende von Vietri sul Mare wurde an der steilen Felswand das Lloyd‘s Baia Hotel errichtet. Fast majestätisch wirkt das Hotel durch seine außergewöhnliche Lage mit Blick auf Salerno und glänzt empor in seiner weißen Eleganz hoch oben am Felsen. Es ist mit einer eigenen natürlichen Badebucht verbunden, bei welcher man den Blick auf das türkisgrüne Meereswasser hat und nur für Hotelgäste zugänglich ist. Überall in den Räumen des Lloyd’s Baia sind die schönen Kacheln zu finden, welche durch die vielen Kristalllüster dem Interieur einen edlen Stiel geben. Ein schlendern durch die schönen Räumlichkeiten dieses Gebäudes und immer wieder ein Blick aufs Meer zu werfen ist ein wahrer Genuss. Nach dem Besuch eines der vielen Fischlokalen des Ortes mache ich es mir immer gemütlich auf der Terrasse des Hotels. Das Haus verfügt über eine sehr gute Patisserie und eine hauseigene Bar auf der Terrasse, bei welcher ich mich dem allabendlichen Sonnenuntergang mit Blick aufs Meer gerichtet verwöhnen lasse und lausche dem Scirocco zu – was sich oftmals nach einem  Gesang der Sirene anhört…ich meine ein Mädchen winkt mir zu und plötzlich verschwindet sie in das weite Nass der Nacht hinaus.

Awesome Blogger Award

Ich danke den beiden Herren Julian Carax und dem Valentin van Nuys von Carax&VanNuys für die Nominierung meines Blogs und ebenfalls ein Dankeschön an all den lieben Follower die meine Beiträge lesen und kommentieren. 

Über den Awesome Blogger Award:

„Dies ist eine Auszeichnung für die absolut wundervollen Schriftsteller auf der ganzen Welt des Bloggens. Sie haben hinreißende und wunderschöne Blogs, sind bezaubernd und liebenswürdig und finden immer einen Weg, dem Leben ihrer Leser Glück und Lachen zu verleihen. Das ist es, was einen großartigen Blogger wirklich ausmacht.“

Regeln, um Teil des „Awesome Blogger Award“ zu sein:

– Danke der Person, die Dich nominiert hat.

– Kennzeichne den Beitrag mit #awesomebloggeraward.

– Beantworte die Fragen, die Dir gestellt wurden.

– Nominiere mindestens 5 Blogger und informiere diese über ihre Nominierung.

– Gib ihnen 10 neue Fragen zur Beantwortung.

Dies möchten Julian Carax und Valentin van Nuys  (= 10 Fragen) von mir wissen:

1.) Was war die selbstloseste Tat deines bisherigen Lebens?

Von meinem Elternhaus auszubrechen als junge Italienerin in Deutschland um mein eigenes Leben zu bestreiten, womit ich auch für andere junge Italienerinnen zum Vorbild wurde.

2.) Wärst du gerne mit dir selbst befreundet?

Nein, auf keinen Fall! Ich mag mich zwar so wie ich bin, aber dennoch bin ich ein sehr geselliger Mensch und habe sehr gerne Freunde um mich herum.

3.) Hast du Feinde, und wenn ja: weshalb? (= bei manchen Nominierten ist das wahrscheinlich Käpt’n Obvious. Dennoch.)

Ich bin Süditalienerin und da gehört der Feind ganz klar aus Tradition zu meinem Alltag. Meine Patentante stammte aus der Nähe von Corleone welches das „Herz“ der Mafia ist. Noch Fragen?

4.) Du könntest noch einmal mit einem deiner Lehrer reden. Welcher wäre es und was würdest du sagen? 

Es wäre mein Physiklehrer der in meiner Schulzeit von Kunst nichts verstand und Schüler wie mich die eine künstlerische Gabe haben nicht neben sich duldeten. Heute ist er mit einer namenhaften Künstlerin leiert. Ich würde ihn fragen – was er an ihr liebt.

5.) (= von Wolf) Welchen Autor/welches Buch hast du zur Schulzeit am meisten gehasst – und warum?

Es war ein Buch von Johann Peter Hebel mit seinen allemannischen Gedichten. Für eine Süditalienerin sehr schwer verständlich und teilweise in der Sütterlinschrift geschrieben.

6.) Du darfst „Gott“ spielen und einen Menschen wiederbeleben.

Würdest du es tun? Wenn ja, wen?

Ich würde jeden Menschen wiederbeleben, wenn es in meiner Macht steht.

7.) Nie wieder Internet, oder nie wieder öffentliche Veranstaltungen (Kultur, Unterhaltung & Sport?)

Kultur, Kunst mag ich sehr, denn mit ihnen wachse ich. Sie zeigen mir durch ihr abstraktes Denken wie Kunst entsteht andere Wege und Möglichkeiten. 

Genauso wie unser Fortschritt mit der Technik. Das Internet, gibt mir die Möglichkeit mit Menschen, die nicht unmittelbar in meiner Nähe sind Kontakt zu halten und mein Blog zu betreiben. Das finde ich einfach klasse und für mich ist es eine Horizonterweiterung, wenn ich dabei persönliche Reiseberichte lesen darf. Sport muss natürlich sein…in meinem Fall ist es der Wassersport.

Beides ist wichtig.

8.) Welches Buch hatte einen großen Einfluss auf dich?

Vom Winde verweht. In diesem Buch hat mich der letzte Abschnitt beeindruckt: „Morgen auf Tara will ich alles überdenken. …Schließlich, morgen ist auch ein Tag.“ 

9.) Mit wem würdest du gerne mal essen gehen?

Mit Michelle Obama würde ich gerne essen gehen. Sie ist eine sehr interessante Frau und Ihre Worte sind inspirierend.

10.) Was war das schönste Feedback, was du für deinen Blog bekommen hast?

Ich möchte auch mal mit dir am Strand laufen gehen…

Ich würde gerne die folgenden Blogs nominieren:

https://abenteuer50.com

https://campogeno.wordpress.com

https://schreibmanblog.wordpress.com

https://myskaldkonur.com

https://seniorenumdiewelt.wordpress.com

https://arcimboldisworld.com

https://florashopeu.wordpress.com

https://newvisionspublications.wordpress.com

Die 10 Fragen, die ich an die Neu-Nominierten sind die folgenden:

  1. Wenn du nochmal die Möglichkeit hättest dein Leben von vorne anzufangen. Was würdest du anders tun?
  2. Wenn du wählen könntest als Vogel oder als Fisch zur Welt zu kommen. Für welches Lebewesen würdest du dich entscheiden und warum?
  3. Bei einem Wettbewerb hast du eine Reise nach deiner Wahl gewonnen, für welches Reiseziel würdest du dich entscheiden?
  4. Für wen würdest du gerne deine Leibspeise kochen und diese Person als Gast an deinem Tisch haben?
  5. Wenn du dir jetzt deinen innigsten Wunsch erfüllen könntest würdest du das jetzt tun?
  6. Welches Buch war in deinem Leben so eindrucksvoll, das du es gleich mehrmals lesen musstest?
  7. Hast du schon Mal etwas total Verrücktes in deinem Leben gemacht, bei welchem du dich immer wieder noch gerne daran erinnerst und was war das?
  8. Ist die Digitalisierung für dich Fortschritt und wie hat dieses Medium dein Alltag verändert?
  9. Was war dein erster Gedanke als das Lockdown durch Covid19 ausgerufen wurde?
  10. Was würde sich für dich verändern beim Schreiben, wenn sich hinter einem Blog ein weltberühmter Autor verbirgt und er dir eine positive Private Message zukommen lässt. Würde sich dein Schreibverhalten ändern?

Auch für euch gilt: wenn jemand seine Nominierung nicht annehmen möchte, ist das kein Problem. Dadurch ist nix „verloren“. Ein Zeitlimit bei dieser Nominierungs- und Weiterleitungssache gibt es nicht. Viel Spass beim Schreiben.

Herzlichen Dank nochmals für die Norminierung und auch all meinen Followern für das regelmässige Interesse meiner Beiträge. Da ich aufgrund der aktuellen Lage nicht mehr so viel Reisen kann, werde ich in meinen weiteren Beiträgen aus meinem Leben und meine Migration, welche ich auch als Reise sehe, erzählen. 

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag.

Reisen aus dem Lockdown …

… Baden-Baden, Heidelberg und Stuttgart sind die ersten Städte, die ich nach dem Lockdown besucht habe. Keiner dieser baden-württembergischen Städte sind miteinander vergleichbar und jede für sich ist schön.

 

Baden-Baden verspielt, mondän und verzuckert mitten im Schwarzwald. Ein Städtchen, das viel zu bieten hat. Kunst und Kultur schlafen hier nicht. Wer Glück im Spiel sucht, kann dies in einer der schönsten Spielcasinos der Welt tun. In dieser Stadt umgeben vom Tannenwald wird offen gezeigt wie Reichtum und Spiel zusammengehören. Die Belle Epoque ist in der ganzen Stadt allgegenwärtig. Denn es wird nicht nur den Spielsüchtigen in opulenten Sälen Raum geboten, sondern man kann in sehr schönen Schwimmhallen mit Thermalquellen einfach nur die Seele und den Körper pflegen. Baden-Baden ist voll schöner Modegeschäfte, Juweliere, Cafés, Galerien und Museen. Ich konnte hier für einen Tag den Alltag einfach vergessen und mich von der Eleganz des Ortes treiben lassen.

Design ohne Titel

Getrieben von meinem Entdeckergeist besuchte ich Heidelberg. Es weht immer noch ein Hauch „Amerikanischer Geist“ in den alten und historischen Gassen dieser Stadt. Eine bezaubernde Hochzeit konnte ich gemütlich sitzend vom Café auszusehen. Die Braut war wunderschön gekleidet. Sie trug einen langen schwarzen Tellerrock und ein cremefarbenes Hemd dazu. In ihrem dunklen Haar hatte sie sich frische Blumen reinstecken lassen. Man sah das die Hochzeitsgäste sich mit viel ungewolltem Abstand begegneten. Dennoch geht es nett und fröhlich in den Straßen und Gassen zu. Aber es fehlen bekannte Touristen wie die vielen Asiaten, welche jeden Winkel und Sehenswürdigkeit der Stadt mit ihren Kameras für die Ewigkeit festhalten. Studenten feiern in die Nacht hinein. Nur es fehlt an der echten Ausgelassenheit der Menschen und vieles erscheint mir dadurch surreal. Aber ich besuchte so gut es ging die vielen Kirchen, sehr schöne Geschäfte. Heidelberg ist eine Unistadt des Wissens.

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Geiz findet man in Stuttgart auf den Straßen nicht. Ganz im Gegenteil! Die Restaurants zeigen sich von der besten Seite und die Teller sind gut gefüllt. Leider auch die Bars, wie man von außen sehen kann und die Königsstrasse voll mit Menschen. Ich bevorzuge es familiär und ruhig bei einem Vietnamesen zu essen und bekomme dabei Fernweh. Der Wirt und ich kommen ins Gespräch wir erzählen uns aus unseren Heimatländern und mir wird bewusst wie einfach ich es dennoch mit den ganzen Einschränkungen der Pandemie habe. Italien liegt im Gegensatz zu seinem Heimatland Vietnam nur ein Katzensprung entfernt. Erst als die Straßen leerer werden und es fast menschenleer ist begebe ich mich auf mein Zimmer ins Hotel. Ich hatte einen sehr schönen Abend unter asiatischen Laternen, die sich leicht im abendlichen Wind wiegten. Ich fühlte mich durch die Erzählungen des Wirtes in die Ferne versetzt, dass ich wieder einmal merkte, dass das wichtigste im Leben gute Gespräche und menschliche Nähe sind. An diese Gesprächsreise werde ich mich noch lange erinnern.

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Lebensreise

Mit meinem Großvater väterlicherseits machte ich so oft ich konnte Spaziergänge am Strand von Salerno. Es war immer derselbe Gang vom Strand zur alten Mole, dabei ergaben sich sehr gute Gespräche.

Dieses Mal war es ein anderes Gespräch, bei dem ich ihm sehr gut zuhörte:

Er nahm ein Stock, welcher vom Salzwasser gewaschen wurde und zog ein Strich in den nassen Sand, welcher gerade von der Gischt des Meeres berührt wurde.

Am Anfang des Striches malte er eine Nullam Ende des Striches ein X.

Er sagte: „Die Null ist die Geburt,das X das Ende eines Lebens. Dazwischen liegen entweder Jahre oder nur ein Atemzug. Genieße die Zeit und gehe dieser Linie so gut es geht gerade entlang“.

Es war unser letzter Spaziergang am Strand und er hinterließ mir wertvolle Worte, die mich ein Leben lang begleiten sollten.

Ich habe viel und immer wieder über seine Worte und Lebenserfahrungen nachgedacht. Sie haben mir in vielen Lebenssituationen halt gegeben.

Selbst in dem Moment als ich mit 19 Jahren mein Elternhaus verließ, um meinen eigenen Weg zu gehen. Ich fühlte dabei eine gewisse unsichtbare Stärke, die mich begleitete und ich schaffte es aus eigener Kraft mein Leben zu gestalten. Dabei verlor ich nicht an Ansehen in der Gesellschaft, was zu der Zeit nicht ganz so einfach war. Als junge Frau, welche auch noch mitten in der Ausbildung steckte und alleinstehend war, auszuziehen, das war für die damalige Zeit nicht so angesehen und der Lebensweg war mit vielen Hindernissen belegt.

Meine engen Vertrauten waren meine Großmutter mütterlicherseits und meine Tante väterlicherseits, mit ihnen verbrachte ich die Weihnachtszeit oder Ostern. Viele meiner Sorgen konnte ich mit ihnen telefonisch besprechen, das war sehr kostspielig, denn in den 80er Jahren war es sehr teuer nach Italien zu telefonieren.

Es war aber auch eine wundervolle Zeit, in welcher ich viel reiste und meine berufliche Karriere aufbaute. In meiner Freizeit galt mein Interesse der Kunst und ich bewegte mich in der Basler Kunstszene in einem illustrem Publikum mit interessanten Künstler, ich besuchte gute Ausstellungen in namenhaften Museen und lernte sehr gute Galerien kennen. In dieser Zeit lernte ich meinen Mann kennen, der mit mir reiste und meine Vorliebe der Kunst teilte. Es ging nicht lange und nach sehr kurzer Zeit wurde unsere wundervolle Tochter geboren.

Immer mit dieser Linie vor Augen, die mein Großvater mir aufmalte, konnte ich so manche Niederlage aber auch meine schwere Zeit der Krankheit ertragen. Ich wusste, dass man mit einer starken Familie so wie ich sie habe vieles bewältigen kann.

Nun ist die Zeit gekommen, nach vielen gemeinsamen Erlebten zur Ruhe zu kommen, zu welchem wir am Anfang dieses Jahres von einer Pandemie gezwungen wurden. Viele Träume für die Zukunft sind in dieser Zeit für den Moment nicht möglich oder für immer geplatzt. Etwas unsichtbares, das uns im Moment bestimmt, zwingt uns zur Ruhe zu kommen. Das Unsichtbare hält uns das X am Ende der Linie vor Augen, wenn wir die Regeln des Unbekannten Virus nicht befolgen.

Liebesbrief

Im August 1977 fuhren wir mit unserem knallroten Fiat 850 von Lörrach nach Salerno. Zu viert saßen wir in dem Kleinwagen, meine Eltern mein Bruder und ich. Das Auto wurde bis zum letzten Kubikmeter mit Reiseproviant, Reisegepäck und Geschenke für Freunde und Verwandten vollgepackt. Beinfreiheit gab es kaum. Was nicht in den Innen- oder Kofferraum passte, kam auf den Dachträger und wir nahmen quasi ein Stück deutsche Heimat auf die Fahrt mit und fuhren der Sonne, Meer und dem dolce far niente entgegen auf gut Deutsch, dem nichts tun.

Unsere Ankunft sorgte immer für Aufsehen. Kaum angekommen, kamen auch gleich Freunde und Verwandte, die sich auf die deutsche Schokolade und andere Mitbringsel freuten. Die ersten Stunden der Ankunft waren sowieso die schönsten, denn es waren immer stimmungsvolle Stunden, bei welchen gelacht und geweint wurde.

So war es auch an diesem ersten Abend. Es war eine sehr schöne Sommernacht, klar und voller blitzender Sterne. Sitzend auf der Fensterbank genoss ich die salzige Meeresluft und sah den Sternschnuppen zu.

Eine Gruppe Jugendlicher bestaunte unser Auto. Einer der Jungs sprach mich an und meinte, dies sei ein schönes Auto, rot wie die Liebe und dabei schaute ich in seine tiefen wasserblauen Augen.

Der Sommer nahm seinen Lauf…

…und ich verliebte mich in diesem Sommer zum ersten Mal.

Es folgten Tage am Strand mit langen Spaziergängen und Gesprächen immer unter dem scharfen Blick meiner Onkels und Cousins. Aus der Jukebox der Strandkaffees hörte man fast nur das eine Lied der Musikgruppe Santo California Torneró. Das Lied drückte all unsere Gefühle aus und das mit jedem Wort! Am Ende des Urlaubs tauschten wir unsere Adressen aus und versprachen uns zu schreiben. Nach der Verabschiedungszeremonie von unseren Freunden und Verwandten und all den Köstlichkeiten, die sie uns mitgaben um unser Heimweh zu erleichtert, fuhren wir Richtung Autobahn. Gefolgt von einer Eskorte Vespas und ganz vorne meine erste große Liebe, die uns bis zur Autobahneinfahrt begleitete. Diesmal war die Heimfahrt anders. Mit jedem Kilometer, den wir Richtung Norden fuhren, hatte ich das Gefühl erwachsener und nachdenklicher zu werden und es stellte sich mir wieder mal die Frage – wie geht es weiter?

In Deutschland angekommen, kam auch eine Woche später der erste Liebesbrief an. Als ich ihn öffnete, fielen Sandkörner aus dem Kuvert heraus und ich hatte den halben Sandstrand von Salerno vor meinen Füßen liegen. Es folgten über das Jahr viele Briefe. Mit jedem Gang an den Briefkasten schlug mein Herz höher. Manchmal blieb ich wie angewurzelt am Briefkasten stehen und führte Zwiegespräche mit ihm. Es gab auch Tage da ignorierte ich einfach diesen Kasten, weil ich es einfach ungerecht fand, dass es kein Ausweg gab sich besser kennenzulernen. Um den Ruf der Familie nicht zu schädigen, bewahrten wir Abstand zueinander. Unsere Gefühle wurden unterdrückt und wir hatten nur in meinen Schulferien Zeit uns kennenzulernen.

Mein ganzes Taschengeld wurde für schönes Briefpapier, das sorgfältig im Schreibwarenladen ausgesucht wurde angelegt. Ein Telefonat war einfach zu teuer. Diese Liebe aus der Entfernung ging auch ein paar Jahre gut und der Briefhaufen wurde auch immer größer. Der Inhalt der Briefe war mal sehr liebevoll und manchmal auch mit Wut geschrieben. Immer wurden sie mit meinem Parfüm besprüht und mit einem echten Lippenkuss mit meinem knallroten Lippenstift beendet. Allerdings konnte es auch sein, dass ich versehentlich die Espresso Tasse draufstellte oder Gedanken auf Papierschnipsel schrieb und beilegte und ich diese so abschickte.

Liebes

Ich beschloss die Beziehung zu beenden, den ich sah absolut keine Zukunft darin. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass unsere Beziehung bestand hatte. Sein Beruf war hier in Deutschland nicht gefragt und ich hätte niemals einer Heirat zugestimmt, da ich aus moralischen Gründen und der Familie zuliebe immer ehrenhaft und vorbildlich sein wollte. Wir hatten nie die Chance ohne Heirat zusammenzuziehen um uns besser kennenzulernen.

Ich schrieb meinen letzten Brief indem ich nicht an unsere Liebe zweifle aber daran, ob ich mich jemals den Ansprüchen einer Ehe gerecht werde, wenn ich eine ganz andere Mentalität kennengelernt hatte. Heute weiß ich, dass so eine Liebe ein Geschenk für das Leben ist. Die Briefe, Gespräche, das ungesagte und die Gedanken dieser Entfernung haben mich für die Zukunft gestärkt, meinen eigenen Weg zu finden.

Die Verbindung mit seiner Cousine ist niemals abgebrochen und Jahre später hat sie mir erzählt, dass er meine Briefe aufbewahrt hat. Jedes Mal, wenn ich am Meeresufer stehe und in die Weite des Meeres schaue, erinnert es mich an seine tief wasserblauen Augen.

Not macht Strassenkunst

Die Kunst war mein Wegbegleiter und ein Medium, in welchem ich mich ohne Worte verständigen konnte. Es faszinierte mich schon immer auf großen Flächen zu malen. Auf Häuserwänden und auf dem Asphalt bekam die Parolen und die Malerei eine ganz andere Bedeutung. Diese Art von Kunst wurde sofort öffentlich und durch das Verbotene, gewann es an Macht. Es wurde die Galerie der Straße. Dies beeindruckte mich damals schon als Kind.

Die Strassenmalerei und deren Parolen, welche an den Hauswänden zu finden waren, fingen durch ein wirtschaftlich einschneidendes Ereignis mich zu beeindrucken. 

Im Herbst 1973 brach für die Erdbevölkerung und ganz besonders für die Gastarbeiter in Deutschland eine sehr schwere Zeit ein. Die Ölkrise stürzte das Land in eine schwere Wirtschaftskrise und es wurde Kurzarbeit angemeldet. Viele Textilfirmen in unserer Gegend mussten sogar schließen und es gab eine Flut von Massenentlassungen. Gastarbeiter mussten Deutschland verlassen. Denn ohne Arbeit erlosch auch deren Aufenthaltserlaubnis für Deutschland. Das wäre für meine Familie nicht ganz so schlimm gewesen, denn wir wären nach Salerno zurückgegangen. Wenn nicht im gleichen Jahr die Cholera in Neapel ausgebrochen wäre. Somit war die ganze Region um Neapel herum in Quarantäne, wie auch unsere Heimatstadt Salerno. 

 Wir waren für das übrige Italien, als Neapolitaner, Aussätzige! 

Wir konnten erstmal nirgendwohin und vom Konsulat bekamen wir ein Schreiben, dass speziell unsere Lage als Neapolitaner überprüft werden musste. Unsere Zukunft lag in den Händen der italienischen Regierung. Wir bekamen auch kaum Nachrichten von meinen Großeltern und Verwandten. Denn der Briefwechsel wurde vor lauter Angst der Ansteckung verboten. Selbst telefonieren war nicht möglich, da nicht jeder Haushalt hatte ein Telefon.

 Zum ersten Mal fühlte ich mich heimatlos! 

 Es gab nach mehreren Monaten Lösungen, die Ölkrise wurde überwunden und für die Cholera fand man einen Impfstoff. So wurde unsere Aufenthaltserlaubnis für Deutschland verlängert und wir kamen mit einem großen Schrecken, gefolgt von Existenzängsten, davon.

Wir fuhren kurze Zeit darauf nach Salerno. Überall lag in weißer PulverformDesinfektionsmittel entlang der Häuser und es roch auch sehr stark danach. Die Wut der Bürger über die politische Macht der Entscheidungen, war an den Hausfassaden abzulesen. Manche Lettern waren größer als ich und die Worte schrien mich förmlich an. Faszinierten mich zugleich genau so wie die Graffiti die thematisch auf die Cholera und die Ölkrise hinwiesen. 

Es beeindruckte mich so sehr, dass ich meine ganz eigene Art von Strassenkunst fand. Da ich wusste, dass es verboten war, malte oder schrieb ich auf unserem Gehweg, mit Schulkreide. Es eignete sich auch Ton von kaputten Ziegeln oder Blumentöpfen. Mit dem nächsten Regen wurden die Wörter und Graffitis weggewaschen und nichts beschäftigt. Das machte das ganze noch spannender, da ich immer wieder neu anfangen musste und meine Kreativität wurde aufs Neue angeregt. Andere Kinder schlossen sich mit der Zeit mir an und wir bildeten eine Künstlergruppe.

Wir nannten uns Künstler13.

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